Das Prager Jesuskind

In einem der ältesten Teile des historischen Stadtkerns von Prag – auf der Kleinseite – stehen die Kirche St. Maria de Victoria des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten mit dem Kloster des Prager Jesulein. Der Name des hiesigen Klosters leitet sich von der Statue des Jesuskindes ab, das die hiesige Karmelitengemeinschaft 1628 zum Geschenk erhielt von der Adeligen Polyxena von Lobkowicz.

Frau Polyxena, die die Statue von ihrer Mutter, der spanischen Herzogin Maria Manrique de Lara, erhalten hatte, erfüllte mit ihrem Geschenk den Wunsch der hiesigen Karmeliten, die sich in ihrem Kloster nach einer Statue oder einem anderen Abbild des Jesuskindes sehnten. Sie wollten so ihre tiefe Verehrung der Verkörperung Gottes und des Herrn Jesus Christus zum Ausdruck bringen.

Wie viele andere Barockstatuen auch, ist das Prager Jesulein in ein Kleid gehüllt – dessen Farbe vom jeweiligen Abschnitt im Kirchenjahr abhängt. Insgesamt enthält die Garderobe des Jesulein ungefähr 100 Kleider, die ihm von seinen Verehrern als Geschenk und als Dank für die Erfüllung von Fürbitten geschenkt wurden. Das älteste Kleid, ein Geschenk des Kaisers Ferdinand III., stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Dank dieser Gnadenstatue wurde die Kirche zu einem beliebten Wallfahrtsort für Gläubige aus aller Welt und zu einem der Hauptwallfahrtsorte der Prager Erzdiözese. Jedes Jahr kommen bis zu zwei Millionen Pilger hierher. Große Verehrer des Jesuskindes von Prag waren beispielsweise die heilige Therese von Lisieux und Edith Stein. Papst Benedikt XVI. schenkte der Statue bei seinem Besuch am 26. September 2009 eine goldene Krone.

Die Tatsache, dass das Jesuskind als König dargestellt werde, geht direkt auf das Evangelium zurück. Das Evangelium nach Matthäus beginnt mit der direkten Abstammung Jesu aus dem Stamme des Königs David. Schon kurz nach seiner Geburt kommen Menschen von weither, um dem neugeborenen König zu huldigen. Am Ende seines Lebens wird Jesus gekreuzigt ebenfalls als König.

Wenn wir Gott als Kind vor uns sehen, haben wir vor Ihm keine Angst. Er braucht als Kind unsere Liebe, unsere Herzen, unsere Hände, unsere Hilfe. Zugleich ist das Jesuskind aber auch als König dargestellt. Der Reichsapfel in seiner linken Hand symbolisiert das gesamte Universum, das unter dem Zeichen des Kreuzes steht und in der Hand des Jesuskindes ruht. Mit der rechten Hand segnet der Friedens-König hingegen die Menschen.

Die ursprüngliche Statue des Prager JesuleinsPapst Benedikt XVI. bei seinem Besuch des Prager Jesuskindes
Die Wallfahrtskirche beim SonnenuntergangPilgergruppen feiern hier die heilige EucharistiePrager Burg mit dem Veitsdom